Tiefschwarz-Ausstellung im Stadtpalais

Unter dem Motto „Dance tili you Popo“ bekommen die Tiefschwarz-Brüder 2021 eine Ausstellung im Stadtpalais Stuttgart!

Mitte April dieses Jahres wurde das in einem Instagram-Live-Talk mit Climax-Boss Michael Gottschalk und Stadtpalais Direktor Dr. Torben Giese verkündet. Wir wurden hellhörig und haben die Tiefschwarz-Jungs Ali und Basti zum Interview gebeten.
Unsere Gebete wurden erhört und hier erfahrt ihr nun die ersten Details zur Ausstellung.
Viel Spaß!

 

Was gefällt euch an Stuttgart und was hat euch hier geprägt?

Stuttgart ist unsere Heimatstadt und sie weckt noch immer wohlige Gefühle, welche wir auch nach 20 Jahren Berlin noch immer in uns tragen.
Schon auf dem Weg vom Flughafen in den Kessel fallen uns immer wieder die vielen Wälder und Hügel ins Auge. So erinnert Stuttgart immer an San Francisco – leider ohne Meer dafür mit leckerem, schwäbischen Essen!
Mit Stuttgart verbindet uns ein gewisses Gefühl, welches kaum in Worte gefasst werden kann – vielleicht nennt man das Heimat. Es geht um diverse Begegnungen und auch die kreative Freiheit, in der wir uns hier entwickeln konnten.
Zum einen hat das etwas mit unserem familiären Background zu tun, zum anderen aber auch mit unseren vielfältigen Wegbegleitern, mit denen wir uns umgeben haben.

Ende der 80er, Anfang der 90er-Jahre fanden wir uns damals in einer Aufbruchstimmung mit elektronischer Musik wieder, welche es bis dahin in dieser Form noch nicht gegeben hat.
House und Techno sind erblüht und wir bekamen die Möglichkeit, die elektronische Musikkultur in Stuttgart anzutreiben. Sozusagen waren wir zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

 

In welchen Locations wart ihr in Stuttgart anzutreffen?

Insbesondere natürlich in unseren eigenen. Von 1990 bis ’94 führten wir das ON -U und von ’94 bis ’98 den Climax-Vorgänger Red Dog.
Zu Besuch waren wir zum Beispiel im Odeon am Berliner Platz, in der Röhre, im OZ, im Musicland, im Exil am Marienplatz.
Unsere brothers in crime, nämlich das Seekneiple und das Wildparkstüble kamen erst etwas später. Genau so wie der Palast der Republik, Switzerland, Pauls Boutique, das unbekannte Tier. All diese Locations waren toll – Stuttgart hat geboomt als würde es kein Morgen geben und wir hatten eine richtig gute Zeit.

„Da hampelt man jahrzehntelang durch die Nacht und plötzlich gilt man als Kulturgut.“

Wie kam es zur Idee, eine Ausstellung zu starten?

Es war so, wie es eigentlich sein soll… Die Idee gab es von uns aus gar nicht, sie wurde spontan geboren.

Zum 30-jährigen Jubiläum der „Fantas“ und der damit verbundenen Stadtpalais-Ausstellung gab es eine Eröffnungsfeier, auf welcher auch wir eingeladen waren.
Basti unterhielt sich vergnügt mit einem Herrn namens Torben Giese. Dieser stellte sich dann als Kurator und Direktor des Stadtpalais heraus.
Giese bot uns spontan ebenfalls eine Ausstellung an und begründete dies auch damit, ebenfalls als Stuttgarter Kulturgut zu gelten.
Dazu fällt mir dieses Zitat einer Freundin ein: „Da hampelt man jahrzehntelang durch die Nacht und plötzlich gilt man als Kulturgut.“, das trifft es eigentlich perfekt.

Nach Gieses Angebot wurden noch ein paar Gespräche geführt, wir wurden uns einig und anschließend machten wir uns ans planen und basteln.
Wir hätten jedenfalls nie damit gerechnet, eines Tages im Museum zu landen – ehren tut es uns dafür umso mehr!

 

Um was wird es gehen? Was können die Besucher*innen erwarten?

Mit Tobias Rehberger ist ein langjähriger Freund, ON- U Stammgast und weltweit renommierter Künstler in die Ausstellung involviert – darüber freuen wir uns sehr, wollen aber noch nicht zu viel verraten.
Wir können aber schon erzählen, dass der komplette Tiefschwarz-Horizont dargestellt wird. Im Prinzip geht es bei unseren Anfängen Ende der 80er los. Unsere eigenen Clubs spielen eine zentrale Rolle und rundherum werden dann weitere Bereiche und Stationen unseres Lebens dargestellt.
Für die Ausstellung tragen und sondieren wir unseren Fundus an Erinnerungen zusammen. Bei den Gedanken an diese Zeit und dem einzigartigen Lebensgefühl von damals sitzen wir des Öfteren schallend lachend, manchmal auch kringelnd da und bekommen Gänsehaut.

 

Wann ist der Eröffnungstermin geplant und wie lange wird sie zugänglich sein?

Sofern Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht, soll die Ausstellung von Januar bis April 2021 zugänglich sein.

Die Gut’s Nächtle-Redaktion im Video-Interview mit Ali von Tiefschwarz

 

Gibt es pandemiebedingte Änderungen an der Ausstellung oder dem Rahmenprogramm?

Leider hat uns die Pandemie bereits ereilt, denn eigentlich war im August eine Veranstaltung am Stadtpalais geplant. In Anlehnung an alte Zeiten hätte es geheißen „Red Dog geht Gassi“, welche wir schon früher veranstaltet haben. Aus diesen großen Plänen ist dann ein Sit-In-Event im Rahmen von „Stuttgart am Meer“ geworden.

Zur Ausstellung selbst wird sich noch zeigen, was möglich sein wird und was Coronagerecht umgesetzt werden kann.
Hier heißt es auf jeden Fall noch Daumen drücken!

 

Geht ihr selbst gerne in Ausstellungen? Wenn ja, was schaut ihr euch gerne an?

Ali: Ich gehe wahnsinnig gerne in Ausstellungen und habe Kunst studiert. Kürzlich war ich im Rahmen des „Gallery Weekend Berlin“ unterwegs, am meisten hat mir daran eine tolle Ausstellung in den Wilhelm Hallen imponiert. Dort haben sich mehrere Galerien zusammengetan und eine für mich unglaublich inspirierende Kunst ausgestellt.

Ansonsten nutzen wir unsere Zeit auf Reisen auch gerne, um uns vor Ort umzuschauen und bei Gelegenheit auch die ein oder andere Ausstellung anzusehen.
Ein toller Nebeneffekt unseres Jobs ist es, von örtlichen Veranstaltern tolle Geheimtipps zu bekommen.

 

Was wäre von eurer Seite noch zu erwähnen?
Wir hoffen darauf, dass Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht und alles so funktioniert, wie wir uns das wünschen.
Torben Giese, welcher uns bei diesem Projekt unglaublich engagiert unterstützt, prophezeit den Januar als mit einen der besten Monate für eine Ausstellung. Dennoch müssen wir hoffen, dass die Einschränkungen nicht zu drastisch sind.
Drückt uns alle die Daumen!

 

Also wir haben Bock auf die Ausstellung und freuen uns darauf, das Lebensgefühl von damals aufzusaugen und mehr über die Jungs zu erfahren.
Sobald es Neuigkeiten gibt, bekommt ihr die Infos natürlich über die Gut’s Nächtle-Kanäle.

 

Chris

Online-Redakteur, Webmaster

Szene-Aktivist. Geprägt von vielen positiven Partyerlebnissen, sowie reichlich guter Musik, geht es nun darum, der Szene etwas zurück zu geben.