Civilists im Interview

Erzählt uns etwas über eure musikalische Laufbahn

Draskowitsch:
Bei mir hat es ziemlich früh angefangen. Mein Vater hat damals viel mit Musik zutun gehabt. Er war als Gitarrist viel unterwegs und war selbst auch DJ. Irgendwann habe ich dann angefangen Klavier und Gitarre zu spielen und das hat sich immer weiter fortgesetzt. Als dann mit etwa 15 die ersten Partys anstanden hat man sich auch gewünscht selbst Mukke zu machen. So bin ich dann in die „DJ-Nummer“ reingerutscht, würde ich sagen. Später habe ich Musikmanagement studiert und bin seitdem ich 16 bin in Clubs unterwegs. Irgendwann habe ich den Kevin (aka Tate) kennengelernt. Haben dann ganz viele spontane B2Bs gespielt und haben uns schlussendlich verliebt, kann man sagen (beide lachen).

Tate:
Bei mir war es relativ ähnlich. Ich habe mit 8 Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen. Ich war in der Musikschule, als man irgendwann merkte, dass ich keine Noten lesen kann. Daraufhin verließ ich diese und brachte mir Schlagzeug spielen selbst bei. Mit etwa 13, 14 habe ich auch mit einem Kumpel angefangen aufzulegen. Wir hatten von seinem Onkel Plattenspieler, richtig geile 1210er, und einen alten 2-Kanal-Mixer. Mit uralten Platten, teilweise auch von David Guetta, der damals richtig gute Musik gemacht hat, darf man nicht vergessen, haben wir dann angefangen mit Vinyl aufzulegen. Richtung war recht elektronischer Sound, hat also nicht wirklich etwas mit Techno zu tun gehabt. Heute würde ich auch sagen: „Oh.“. Nicht ganz so mein Ding, aber das waren eben die Anfangszeiten. Mit etwa 16,17 dann die ersten richtigen Gigs in Jugendhäusern gehabt. Ein paar Jahre später bin ich nach Stuttgart gezogen. Über Bekannte und Ecken dann an die „LeClique“-Jungs gekommen. Da haben wir dann recht schnell gemerkt, wie Nick (aka Draskowitsch) schon gesagt hat, dass wir alle den gleichen Schuss haben und uns richtig gut verstehen. Wir sind wie Brüder heute.

Draskowitsch:
Absolut!

Wer oder was hat euch dazu inspiriert diesen musikalischen Weg einzuschlagen?

Draskowitsch:
Hmmm… Ich weiß es sogar bei dir Kevin (Tate). Ganz genau sogar.

Tate:
Das stimmt, ganz früh schon. Paul Kalkbrenner. Weil er seit jeher seinem Sound treu geblieben ist, und diesen auch noch spielt. Es ist ein ganz spezieller Techno, den hört man sonst nirgends. Kein DJ der Welt traut sich Kalkbrenner Titel zu spielen. Ich finde mich in seinen Sachen wieder, weil er so eine leichte Melancholie drin hat. Er spricht mir aus der Seele und das hat mich dazu bewegt. Wenn ich jemals in so eine Richtung kommen würde, sodass die Leute komplett begeistert dastehen wie bei ihm, das wäre großartig.

Draskowitsch:
Bei mir war es anfänglich Oliver Koletzki feat. Fran – Hypnotized. Das war ein Sommer Track, den man gern gehört hat. Und dann hat sich das immer weiterentwickelt, würde ich sagen. Wen ich heute total geil finde ist „KiNK“. Der macht einfach so viel Spaß, weil er live so viel kann und sich immer wieder neu erfindet. Darüber hinaus mag ich DJs wie „Motor City Drum Ensemble“, dem Süden treu, sozusagen.

Wo konnte man euch bisher in Stuttgart hören?

Tate:
Da Nick (Draskowitsch) und ich (Tate) zusammen noch recht frisch unterwegs sind, haben wir als Duo „Civilists“ noch nicht so viele Stationen. Aber als es den Namen noch nicht gab haben wir schon B2B im White Noise, der Pano Bar, auf einer Veranstaltung der Stadt Stuttgart zum Erhalt der Subkultur, im Salt&Pepper in Pforzheim, Karlsruhe im Culteum sowie in Heilbronn gespielt.

Draskowitsch:
Ansonsten noch unsere Open Airs in Mühlacker „Le Clique in the Castle”. Da ist ein riesen Zusammenhalt beim Le Clique Kollektiv. Angefangen bei unserem Vierergespann an Geschäftsführern mit Marcel Stark & Janis Wittke, die wir sowohl als Partner, als auch als Freunde sehr schätzen. Wir sind immer zusammen unterwegs.

Produziert ihr selber oder ist es in Planung?

Draskowitsch:
Wir sind gerade dabei uns zu sortieren, da wir beide beruflich sehr eingespannt sind. Kevin (Tate) hatte bereits mit Egotot (Nico Rinker aus Stuttgart Anm. d. Red.) das Vergnügen einen Track zu produzieren. „Serial A“ war schon eine super Nummer. Ich hatte davor schon ein Duo-Projekt mit dem sehr talentierten Matthias Teifel. Wir haben uns damals Tedra genannt. Tracks, die wir damals produziert haben, gibt es auch noch auf Soundcloud/Spotify/Apple Music. Jetzt sind wir allerdings dabei herauszufinden, wie wir live bestmöglich zusammenspielen können und wie wir den gewohnt harten Techno etwas ablegen können, um mehr in das groovige einzutauchen. Was würdest du sagen Kevin?

Tate:
Ja stimmt schon, ich habe früher relativ harten Techno gespielt. Und als ich zu LeClique gekommen bin, war ich schon etwas abgekommen davon. Mehr in die melodische Richtung und etwas weniger BPM. Nick (Draskowitsch) ist ein super Pianist und dann kommt meine Schlagzeug-Seite dazu. Deshalb möchten wir ein Live Projekt starten, denn die Kapazitäten sind da. Wir haben jetzt etliche Meetings abgehalten um zu planen, wie wir das ganze angehen. Beispielsweise beim Klavier: Lieber malancholischer Sound oder nicht? Sind da aktuell noch in der Findungsphase.

Veranstaltet ihr auch Events? Wenn ja welche?

Draskowitsch:
Wie schon erwähnt veranstalten wir mit der LeClique Crew zum vierten Mal das „LeClique in the Castle“ sowie die Party Reihen im White Noise. Unser Steckenpferd war es schon immer abseits der Clubs Räumlichkeiten zu finden, in denen man Partys veranstalten kann, die nicht alltäglich sind. Dabei ergeben sich Synergien, bei denen viele verschiedene Leute ihre Kreativität einbringen.

Tate:
Wir achten sehr auf die Deko. Wir möchten keinen leeren Club haben und einfach die Anlage aufdrehen, sondern achten besonders auf die Details. Es gibt beispielsweise Motto Partys, bei denen die Leute auch kleine give aways erhalten.

Draskowitsch:
Es geht nicht nur um die Musik, sondern auch darum, die passenden Leute für den Abend zu finden, die das gleiche erleben wollen und die gleichen Werte teilen.

Wo würdet ihr gerne auflegen in Stuttgart und was steht demnächst so an?

Draskowitsch:
Es gibt tolle Sachen in Stuttgart. Was uns gefallen würde wäre auf der SEMF aufzutreten.
Am 17.08. steht im Planetarium der Tunesday an, was immer ein Ziel war, seitdem es die Veranstaltungsreihe gibt. Vor ein paar Tagen kam glücklicherweise die Anfrage das Fridas Pier zu bespielen (19.08), da freuen wir uns auch schon sehr drauf.
Und vor allem die Terrasse sonntags im Kowalski! Weinschorle und guter House. Das hat uns schon viele Sonntage versüßt. Zu guter Letzt noch das Lehmann: Zurück zu den alten Härten, und vielleicht mal wieder etwas Gas geben an einem Abend. Toll, dass es jetzt wieder losgeht.

Was sind eure Hobbies?

Draskowitsch:
Feiern (lacht). Ich bin Gärtner, ich habe einen Gemüsegarten, in dem ich meine Zucchinis und Tomaten anbaue, das bringt Ruhe in diesen doch sehr stressigen Alltag. Aber ansonsten hauptsächlich schon die Musik. Es ist einfach schön zu sehen, dass die Menschen sich wieder trauen. Ich glaube, dass es so sein wird, dass alles wieder voll wird. Nicht nur die Clubs, sondern jede Bar, jede Spielstätte und was es sonst noch so gibt. Es wird eine goldene Zeit. The Golden Twenties.

Möchtet ihr uns noch etwas zum Abschluss über euch sagen?

Tate:
Es ist aktuell einfach wichtig, dass man die Hoffnung nicht verliert. Es fehlt aktuell einfach, sich mit Leuten connecten zu können bzw. neue Leute kennen zu lernen. Hoffen wir einfach, dass das alles schnell vorbei geht, und wir alle gemeinsam wieder im Club zusammenkommen und tanzen können. Wir sind da auf jeden Fall auf einem guten Weg, wenn man sich die Impfzahlen anschaut.

Draskowitsch:
Ich möchte dazu auch unbedingt etwas sagen, da es wichtig ist für alle Kulturschaffenden. Bitte Leute kommt zurück. Zurück zu den Konzerthäusern. Behaltet eure Tickets, wenn Konzerte verschoben werden. Denn alles, was jetzt an Kultur ausstirbt, kommt nicht wieder. Den Leuten geht es finanziell nicht gut, sie haben keine Rücklagen und stehen mit dem Rücken zur Wand. Bitte versteht die Konzerthäuser oder die Menschen, die Veranstaltungen machen. Sie haben ausgeklügelte Hygienekonzepte ausgearbeitet, daher habt keine Angst zurückzukommen. Und wenn alle zurückkommen, dann wird das die beste Zeit, die wir je hatten.

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Tabea

Online-Redakteurin

Irgendwas mit Marketing & Social Media. Leidenschaftliche Tänzerin und Liebhaberin elektronischer Musik. Immer unterwegs auf der Suche nach bestem Sound.

Stefan

Online-Redakteur

Überlebenskünstler und Genießer. Möchte Stuttgart vor allem eins geben: Gute Zeiten mit sexy Sounds.