Ambientkünstler HOVING

Thomas Kiefer alias HOVING ist ein Ambientkünstler aus Stuttgart. Schon eine Weile habe ich ihn auf dem Schirm und betrachte ihn als einen sehr interessanten Künstler. Auch, weil ich mich persönlich erst wenig mit Ambientmusik auseinandergesetzt habe, aber schon immer mehr darüber wissen wollte.
Das Interview mit HOVING nahm ich auch als Chance, in diesen Bereich der elektronischen Musik einzutauchen.

Ambientmusik eignet sich für mich auf jeden Fall super zum entspannen oder während dem Arbeiten als Hintergrundmusik. Daher empfehle ich euch: drückt den Play-Button und lest nebenbei den Artikel über den Ambientkünstler „HOVING“. Viel Spaß!

Die Musikalische Entwicklung von HOVING

HOVING kam bereits mit 13 Jahren in Kontakt mit elektronischer Musik, er erinnert sich zum Beispiel an Fatboy Slim, Apollo 440, Prodigy und Chemical Brothers. Dennoch verfiel er als Teenager erstmal der Punkmusik und insbesondere auch dessen Subgenre „Emo“.
In dieser Zeit spielte Thomas E-Gitarre und stieg dann auf Akustikgitarre um, damit spielte er Songs, welche er auch selbst gerne hörte.
Punkrock kam ihm dabei insofern entgegen, dass er dafür nicht viel gebraucht hatte:
„Ich hatte nie den Bedarf an Gitarreneffekten oder sonstigem. Punkrock ist halt dreckig, da reicht eine billige Gitarre und ein kleiner Verstärker völlig aus“, so HOVING.

Während seiner Abizeit spielte Thomas Bassgitarre in einer Band mit Stilrichtung Alternative-Rock. „Das war auf jeden Fall cool und die Zeit möchte ich nicht missen.“

Mit den Jahren diversifizierte sich sein Musikgeschmack immer weiter und über Postrock hatte er seine ersten Berührungspunkte mit Ambientmusik – das war ungefähr im Jahr 2008.
Zu erwähnen wären hierbei zum Beispiel die Band „Hammock“ oder „This will destroy you“ – Letztere gilt übrigens als HOVING’s „absolute Postrock-Lieblingsband“.

Im elektronischen Bereich näherte sich HOVING über IDM (nicht zu verwechseln mit EDM!) und Downtempo, dem „softeren elektronischen Sound“ bzw. Ambient an.
„Ambient habe ich deshalb so viel gehört, weil mich diese Art von Musik nicht ablenkt. Während dem Lernen fürs Studium oder später beim vorbereiten meines Unterrichts hörte bzw. höre ich meistens Ambient. Es nervt mich nie und begleitet mich durch den Alltag.“

Während seinem Studium informierte sich HOVING bereits über das Produzieren von IDM, doch unter der Annahme, dass dafür erst einiges an Geld sowie auch Zeit benötigt werden würde, lies er von dieser Idee ab.
Inzwischen weiß Thomas aber: „Dass das dumm war und ich es auf jeden Fall hätte probieren sollen!“

Die ersten eigenen Ambientsounds

Während einem Konzert von Nicolas Jaar war Thomas so begeistert von dessen Musik, dass er das unbedingt selbst einmal machen – bzw. zumindest ausprobieren wollte.
Mit dem Korg Monologue legte sich HOVING daraufhin 2017 seinen ersten Analog-Synthesizer zu. Später stellte sich heraus, dass sich dieser gar nicht so gut für Ambientmusik eignet, also wurde er schon ein halbes Jahr später wieder verkauft.
Doch der Aufbau des Geräts lehrte ihm einiges über Klangsynthese. Auch das Wissen über die technischen Hintergründe werden ihm in seiner weiteren Erforschungsphase helfen – die Anschaffung war also dennoch kein kompletter Fehlgriff.
Als gutes Einstiegsgerät empfiehlt HOVING heute zum Beispiel den Novation Circuit.

Gerade ganz zu Anfang orientierte sich HOVING musikalisch an Musiker und Produzent „Loscil“. Auch insofern, dass er sich bestimmte Geräte zulegte, mit welchen er sich erhoffte, an die Musik heranzukommen.
Bereits nach zwei Wochen mit der Groovebox Novation Circuit näherte sich Thomas mit seinem ersten Track „Breathable“ an den gewünschten Sound heran, das machte ihn zufrieden und stolz. Ihm wurde klar: „Das ist etwas, was ich weiter verfolgen will und was ich vielleicht sogar kann.“
Das Ergebnis kann hier angehört werden:

Was HOVING insbesondere dazu inspiriert, Musik zu machen, ist es selbst Musik zu hören: „Wenn ich etwas höre, was mir besonders gut gefällt, frage ich mich: Kann ich so etwas machen? Welche Geräte brauche ich dafür?
Dann probiere ich es umzusetzen. Manchmal bekomme ich es besser hin, manchmal schlechter, wenn ich merke, das ist nicht meins, gebe ich manchmal auch auf.“

Wie HOVING erzählt, sieht er sich auch nach drei Jahren im Ambientbereich noch immer als Beginner und ist noch auf der Suche nach seinem eigenen Sound.
Es geht ihm dabei nicht darum, eine*n Künstler*in nachzuahmen und sagt: „Ich möchte schon etwas Eigenes machen. Etwas zwischen Downtempo, Postrock und Ambient. Am liebsten soll es organisch klingen, und weniger digital als vor ein paar Jahren.“

Am liebsten macht Thomas Musik von unterwegs und das überall. Dafür nutzt HOVING unterschiedliche Synthesizer.
Dabei ist der Batteriebetrieb ein großer Kauffaktor für Neuanschaffungen. Den Track „Tachypnea“ hat HOVING zum Beispiel komplett mit einem OP-1 von Teenage Engineering in der Stuttgarter U-Bahn produziert:

Teenage Engineering – OP-1

Auf diesen ausgefeilten Synthesizer ist Thomas durch einen Workshop mit Günter Rolle (ehemals Teil des Duos „Les Six“ sowie Klavier- und Cembalobauer) gekommen. Die beiden freundeten sich an und verbrachten einige Zeit zusammen. Für diese bereichernde Zeit und Günters Input – auch für seinen großen Beitrag für die Stuttgarter Ambientszene ist Thomas sehr dankbar und wünscht ihm: „Ruhe in Frieden.“

Aufgrund des extrem vielfältigen Funktionsumfanges ist der OP-1 derzeit sein absolutes Lieblingsinstrument. Ansonsten nutzt HOVING eine Reihe von weiteren Musikgeräten, wofür er mit eigenen Worten: „eine variierende emotionale Beziehung“ führt. In seinem Homestudio stehen einige kleinere und größere Kästen mit blinkenden Lichtern in allen Farben.
Was heraussticht: die „Microphonic Soundbox“ von Leaf Audio, welches er auf einem Workshop selbst zusammen gebastelt hat und unter anderem ein integraler Bestandteil seines Live-Setups ist.

HOVING vor dem StadtPalais Stuttgart im August 2020 unter anderem mit der „Microphonic Soundbox“ und dem „OP-1“.

Genauso zählt mittlerweile auch ein Pedal-Board mit verschiedenen Effektgeräten zu seiner Standardausrüstung, durch welche er seine E-Gitarre schleift und so in seine Musik einfließen lässt.

Ambientmusik und Auftritte während Corona

Obwohl die Eventbranche und auch die lokale elektronische Szene durch Corona weitestgehend lahmgelegt wurde, konnten im vergangenen Sommer einige Auftritte in HOVING’s Vita wandern.

Es lässt vermuten, dass in Zeiten von Social-Distancing und Tanzverbot die Stunde der sphärischen Chilloutmusik geschlagen hat. HOVING kam für Auftritte nämlich ziemlich herum und spielte sogar zweimal in Berlin – alle Veranstaltungen hielten übrigens Hygienekonzepte bereit.

Die Ambientszene in Stuttgart ist zwar eher klein, HOVING sieht das allerdings als Chance: „Hier kennen wir uns alle und können uns viel besser austauschen. Wir nehmen uns gegenseitig keine Auftritte weg oder Ähnliches.“

Die Ambientgruppe auf Facebook – eine Erfolgsgeschichte?

Als HOVING begann, sich mit Ambientmusik auseinanderzusetzen und sich auf die Suche nach gleichgesinnten machte, bemerkte er schnell, dass dies nicht einfach werden würde.
„Ich wusste überhaupt nicht, ob es so etwas in Stuttgart überhaupt gibt. Wenn ja, wer das ist und wie ich sie finden könnte.“
Also gründete er kurzerhand selbst eine Facebook-Gruppe und erhoffte sich damit ebenfalls, Künstler*innen in seinem musikalischen Bereich und in der Stuttgarter Umgebung vernetzen zu können. Eine Handvoll Mitglieder und interessierte in dieser Gruppe wäre für ihn zu diesem Zeitpunkt bereits ein Erfolg gewesen und hätte ihn zu den richtigen Personen geführt.

Für HOVING selbst ist die Gruppe nach über zwei Jahren jedenfalls eine klare Erfolgsgeschichte geworden.
Mittlerweile zählt die Gruppe nämlich bereits über 400 – teilweise überregionale Mitglieder*innen.
Offen ist die Gruppe für alle: Hörer*innen, Fans, Locationbetreiber*innen und explizit nicht nur für Ambientproduzent*innen!
Die Gruppe hat bereits zu Konzerten, Treffen, Kollaborationen und Freundschaften geführt, welche es so ansonsten wahrscheinlich nicht gegeben hätte.
Dabei ist es HOVING wichtig zu sagen: „Es geht mir hierbei mitnichten um irgendeine Art der Eigenwerbung, es geht mir um den echten Austausch miteinander.“

Bei Interesse geht es hier zur Gruppe:

Anstehende Projekte und Abschluss

2021 steht sein erstes Vinyl-Release auf dem Label „Berliner Tonaufnahmen“ an. „Das finde ich für mich persönlich schon supergeil.“
Ansonsten stehen auch einige Tracks zur digitalen Veröffentlichung bereit und werden nach und nach released.

Ankündigungen findet ihr über HOVING’s Fanpages:

Seine Musik könnt ihr hier streamen oder kaufen:

HOVING wünsche ich weiterhin viel Spaß und Erfolg bei seinem Schaffen – vielen Dank für die Eindrücke, in ein Feld der elektronischen Musik, mit welchem ich mich bis dahin noch nicht beschäftigt habe.

Chris

Online-Redakteur, Webmaster

Szene-Aktivist. Geprägt von vielen positiven Partyerlebnissen, sowie reichlich guter Musik, geht es nun darum, der Szene etwas zurück zu geben.